Im Rahmen der Ausstellung „Ist-Zustand“ des Künstlerinnenkollektivs perspektiven_ost

Was prägt künstlerisches Arbeiten, wenn die eigene Biografie in einem ostdeutschen Erfahrungsraum verwurzelt ist? Und wie wirken persönliche Erinnerungen, gesellschaftliche Umbrüche und historische Erfahrungen in heutige künstlerische Prozesse hinein?
Diesen Fragen widmet sich das Künstlerinnen-Kollektiv perspektiven_ost in einem interdisziplinären Gesprächsformat. Im gemeinsamen Austausch werden individuelle Erfahrungen mit der deutsch-deutschen Vergangenheit und aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen verbunden. „… in Arbeit“ steht dabei für einen offenen Prozess: für Fragen, die nicht abgeschlossen sind, für Perspektivwechsel und für die gemeinsame Suche nach neuen Zugängen.
Die Ausstellung „Ist-Zustand“ (2.–11.10.2026, im Studio 36) versammelt unterschiedliche künstlerische Positionen, die sich mit gesellschaftlichen Realitäten, Erinnerung und Identität beschäftigen. Sie richtet den Blick auf das, was sichtbar wird – und auf das, was verborgen, übersehen oder verdrängt bleibt. Fotografische Arbeiten, Installationen und Performances treten miteinander in Dialog und eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf ostdeutsche Geschichte und Gegenwart.
So entsteht ein Raum, in dem persönliche Erinnerungen, gesellschaftliche Zuschreibungen und gegenwärtige Lebenswirklichkeiten aufeinandertreffen und zur Auseinandersetzung einladen.
Podiumsgespräch „… in Arbeit“
9. Oktober 2026, 19:00 Uhr
Galerie der Beginen e.V.
Über die Künstlerinnen
perspektiven_ost ist ein junges Kollektiv aus Mecklenburg-Vorpommern, bestehend aus vier Künstler*innen unterschiedlicher Generationen. Uns verbindet eine ostdeutsche Biografie sowie eine durch die Nachwendezeit geprägte Erfahrung von Herkunft und gesellschaftlicher Verortung. Aus diesen geteilten Erfahrungsräumen heraus entwickeln wir künstlerische Positionen, die sich mit Fragen von Identität, Erinnerungspolitik und gesellschaftlichen Zuständen auseinandersetzen.
Das allgegenwärtige Schweigen während einer Kindheit in der DDR und Jugend in den „Baseballschlägerjahren“ ist Teil der künstlerischen Auseinandersetzung von Berit Kröner. Mit Fotocollagen, Objekten und Installationen bildet sie ihre Irritationen darüber nach. Für Sophia Patzer sind analoge Fototrafie und Text gleichwertige Ausdrucksformen, die sie künstlerisch forschend einsetzt. In ihrer Arbeit beschäftigt sich die Künstlerin kontinuierlich mit Fragen zu Herkunft, Klasse und ostdeutscher Identität und berührt dabei gesellschaftliche und erinnerungspolitische Dimensionen zugleich. Christin Waterstrat befasst sich mit der Unsichtbarkeit. Dabei untersucht sie emotionale, körperliche und strukturelle Gewalt an Frauen, psychische Zustände wie Depression sowie historische Formen psychischer Folter, wie die Zersetzung. Sie arbeitet mit zweiseitigen Gravuren auf Glas sowie mit filigranen Scherenschnitten. Es entstehen komplexe Installationen mit Licht und Schatten als wesentliche Gestaltungselemente.
Unser Ansatz ist intersektional und verbindet feministische Perspektiven mit Fragen von Klasse, sozialer Herkunft, diasporischen Erfahrungen und ostdeutscher Prägung.